Shamonda-Virus bei Rindern und Schafen

Symptome erkennen – frühzeitig handeln

Informationsstand: 5. Oktober 2026

Seit Sommer 2026 werden in Europa neue Varianten des Shamonda-Virus nachgewiesen. Besonders bei Milchkühen fallen Fieber, Durchfall, verminderte Futteraufnahme und ein deutlicher Rückgang der Milchleistung auf. Auch Schafe und Ziegen können sich infizieren. Welche Krankheitserscheinungen die neuen europäischen Varianten bei diesen Tierarten verursachen, ist noch nicht ausreichend geklärt.

Bei auffälligen Krankheitszeichen sollten Sie frühzeitig Ihren Hoftierarzt verständigen. Schwere Atemnot, Festliegen und neurologische Störungen sind tierärztliche Notfälle.

Woher kommt das Shamonda-Virus?

Das Shamonda-Virus, kurz SHAV, wurde erstmals 1965 bei Rindern in Nigeria isoliert. Später wurde es in weiteren afrikanischen Regionen und in Japan nachgewiesen. Es gehört zu den Orthobunyaviren der Simbu-Serogruppe und ist eng mit dem Schmallenberg-Virus verwandt.

Eine französische Untersuchung beschreibt Krankheitsfälle bereits im Juni 2026. Anfang August identifizierte das Friedrich-Loeffler-Institut den Erreger bei Rindern in Süddeutschland. Wann und auf welchem Weg das Virus nach Europa gelangt ist, bleibt bisher unbekannt.

Das FLI unterscheidet inzwischen zwei europäische Varianten: SHAV-EU1 und SHAV-EU2. Die genetischen Unterschiede sprechen für zwei eigenständige Einschleppungs- und Ausbreitungsereignisse. Ob eine durchgemachte Infektion mit einer Variante ausreichend vor der anderen schützt, wird untersucht.

Auch Rheinland-Pfalz ist betroffen: Das Landesuntersuchungsamt meldet zum 2. Oktober 2026 insgesamt 82 positiv untersuchte Rinderbetriebe. Diese Zahl bildet nicht sämtliche Infektionen im Land ab.

Wie wird das Virus übertragen?

Die Übertragung erfolgt sehr wahrscheinlich überwiegend durch Gnitzen der Gattung Culicoides. Diese kleinen blutsaugenden Insekten können Virus beim Stich eines infizierten Tieres aufnehmen und auf weitere Tiere übertragen.

Eine relevante direkte Übertragung durch gewöhnlichen Kontakt zwischen Tieren ist für Shamonda nicht belegt. Das Separieren erkrankter Tiere erleichtert ihre Betreuung, schützt die übrige Herde aber nicht zuverlässig vor Gnitzenstichen.

Welche Symptome treten auf?

Bei Rindern

Bei erkrankten Rindern, besonders Milchkühen, werden folgende Auffälligkeiten beschrieben:

  • Fieber

  • deutlicher Rückgang der Milchleistung

  • verminderte Futteraufnahme

  • Durchfall, teilweise wässrig

  • Abgeschlagenheit

  • teilweise Atemwegsauffälligkeiten und Lahmheiten

Die Symptome sind unspezifisch. Eine sichere Diagnose ist deshalb nur durch tierärztliche Untersuchung und geeignete Labortests möglich. Bei erwachsenen Rindern klingt die Erkrankung häufig innerhalb weniger Tage ab. Milchverluste und Begleiterkrankungen können dennoch erheblich sein.

Bei Schafen und Ziegen

Infektionen sind nachgewiesen. Eine verlässliche Liste typischer Shamonda-Symptome bei Schafen und Ziegen liegt für die neuen europäischen Varianten bislang nicht vor. Die vom LUA beschriebenen Nachweise waren bisher nicht mit Krankheitssymptomen verbunden. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass Infektionen grundsätzlich harmlos bleiben.

Fieber, Fressunlust, Lahmheit, Atemnot und auffällige Geburten müssen unabhängig von der vermuteten Ursache tierärztlich abgeklärt werden.

Was sollten Tierhalter sofort tun?

  1. Hoftierarzt verständigen. Teilen Sie mit, welche Tierarten betroffen sind, wie viele Tiere auffällig sind und seit wann die Symptome bestehen.

  2. Verlauf dokumentieren. Temperatur, Futteraufnahme, Wiederkauen, Kot, Atmung und Milchleistung helfen bei der Beurteilung.

  3. Frühzeitig untersuchen lassen. Für den SHAV-Erregernachweis eignen sich Blutproben während der akuten Krankheitsphase. Untersuchung und Versand stimmt der Tierarzt mit dem zuständigen Labor ab.

  4. Erkrankte Tiere gezielt versorgen. Wasser und geeignetes gewohntes Futter erreichbar anbieten, Ruhe ermöglichen und Hitzestress vermindern.

  5. Gnitzenkontakt reduzieren. Schutzmöglichkeiten für Stall und Tiere mit dem Tierarzt besprechen. Einen vollständigen Schutz bieten diese Maßnahmen nicht.

  6. Aborte und auffällige Jungtiere untersuchen lassen. Nicht vorschnell Shamonda als Ursache annehmen.

Diese Maßnahmen unterstützen die Früherkennung und Versorgung. Sie ersetzen keine Diagnose.


Neurologische Auffälligkeiten – Berichte aus betroffenen Beständen

Aus betroffenen Beständen werden auch bei Schafen und Ziegen neurologische Auffälligkeiten berichtet. Beschrieben werden Orientierungslosigkeit, ungewöhnliches Verhalten, Laufen in elektrische Weidenetze sowie eine stark verminderte oder fehlende Reaktion auf Ansprache.

In einem geschilderten Bestand zeigten zwei von zwanzig Tieren entsprechende Symptome. Nach Angaben des Betroffenen waren Blutuntersuchungen zunächst negativ; bei einer späteren Untersuchung nach dem Tod wurde Shamonda im Bereich des zentralen Nervensystems nachgewiesen. Der genaue Laborbefund steht uns noch nicht zur Verfügung.

Nasenausfluss könnte in den geschilderten Fällen mit einer Begleiterkrankung zusammenhängen. Das ist bisher eine Vermutung und muss gesondert untersucht werden.

Diese Angaben sind Berichte aus der Tierhaltung. Eine ursächliche Zuordnung sämtlicher Symptome zu Shamonda ist damit noch nicht gesichert. Neurologisch auffällige Tiere müssen umgehend tierärztlich untersucht und vor Verletzungen geschützt werden.


Welche Behandlung ist möglich?

Eine spezifische Therapie gegen das Shamonda-Virus steht derzeit nicht zur Verfügung. Die Behandlung richtet sich nach den Beschwerden und dem Zustand des einzelnen Tieres.

Der Tierarzt beurteilt unter anderem den Bedarf an Schmerz- und Entzündungsbehandlung, Flüssigkeitsversorgung und Unterstützung bei verminderter Futteraufnahme. Begleiterkrankungen müssen gezielt behandelt werden. Ein Praxisbericht des Hofguts Neumühle beschreibt eine Betreuung nach Schweregrad mit regelmäßiger Kontrolle der betroffenen Tiere.

Antibiotika wirken nicht gegen das Virus. Sie können bei bakteriellen Begleitinfektionen erforderlich sein. Arzneimittelauswahl, Dosierung und Wartezeiten für Milch und Fleisch legt der Tierarzt fest.

Bei Atemnot oder Schluckstörungen keine Flüssigkeit oder Nahrung zwangsweise ins Maul eingeben.


Trächtigkeit: Was ist bisher bekannt?

Historische Shamonda-Infektionen sind mit Fehlbildungen bei Kälbern verbunden. Eine japanische Studie beschreibt 15 betroffene Kälber, unter anderem mit Gelenkversteifungen und Veränderungen des zentralen Nervensystems.

Wie häufig solche Schäden bei den neuen europäischen Varianten auftreten, ist noch offen. Das FLI empfiehlt deshalb, Aborte, Totgeburten und missgebildete Kälber oder Lämmer besonders aufmerksam untersuchen zu lassen. Ein positiver Virusnachweis allein beweist noch nicht, dass das Virus den Abort verursacht hat.

Für Shamonda sind bislang keine verlässlich bestätigten Trächtigkeitsfenster bekannt, innerhalb derer eine Infektion sicher zu Schäden führt. Erkenntnisse zum Schmallenberg-Virus dürfen daher nicht ungeprüft übertragen werden.


Ist Shamonda gefährlich für Menschen?

Bislang gibt es keinen Nachweis einer klinischen Erkrankung des Menschen durch Shamonda. Nach Einschätzung des FLI besteht nach bisherigem Kenntnisstand kein relevantes Infektionsrisiko für Menschen. Die neuen europäischen Varianten werden weiter untersucht.

Shamonda gilt damit derzeit nicht als etablierte Zoonose. Bei Geburtshilfe und beim Umgang mit Aborten bleibt allgemeine Hygiene erforderlich, weil andere mögliche Erreger für Menschen gefährlich sein können.


Fachinformationen, Studien und Videos

Die Videoaufzeichnungen werden von den jeweiligen Veranstaltern beziehungsweise der Landwirtschaftskammer verlinkt.

Diese Seite verbindet fachliche Informationen mit dem Erfahrungsaustausch von Tierhaltern. Beobachtungen aus der Praxis werden als solche gekennzeichnet. Bei erkrankten Tieren ist die frühzeitige Zusammenarbeit mit dem Hoftierarzt entscheidend.